Hendrik bei SAP in Bangalore/Indien

Sonntag, September 24, 2006

Ein Wochenende in Bangalore

Am Samstagabend gingen Georg, zwei andere SAP-Angestellte, ein Inder und ich in den Nachtclub "Fuga", von dem ich schon einmal berichtet hatte. Diesmal waren wir aber schon etwas zeitiger da und konnten in Ruhe die Cover-Charge umsetzen und etwas tanzen (und natuerlich die huebschen Inderinnen betrachten). Uebrigens, wir haben festgestellt, dass seit wir im Maerz hier angekommen sind, sich die Menge der Minirock-Traeger drastisch erhoeht hat. Waren es im April noch Null Inderinnen pro Disko, im Juni ab und zu mal eine, hat inzwischen jeden Zweite einen Mini mit einem knappen Oberteil an. Diese Veraenderungen hier, Wahnsinn. Natuerlich trifft man in solchen Clubs nur die High Society, schliesslich kostet es 1000 Rupien (knapp 20 Euro) eintritt. Als Vergleich, ein Rickshawfahrer (der ein sehr beachteten und hoch-bezahlten Job hat) verdient monatlich 3000 Rupien, normale Angestellte (Security-Guards, Restaurantangestellte, ...) verdienen so zwischen 1000 und 2000 Rupien pro Monat. Also, nachdem die Party wieder 23:30 vorbei war und wir keine After-Party finden konnten und auch keiner zu unserer After-Party ins Guesthouse kommen wollte, fuhren wir mit zu dem einen Inder. Er hatte eine geraeumige Wohnung mit allem erdenklichem Luxus: einen 120cm Flachbild-Fernseher, Sourround-Sound Anlage, Playstation, mehrere Computer, riesige Sofas und Sitzsaecke, ...! Was fuer ein verwoehnter Bengel! Auf die Frage hin, was denn der geldbringende Job neben SAP waere antwortete er frech mit "Parents!!" (= Eltern). Das Interessanteste war der kleine Tempel neben dem riesigen Fernseher, was fuer ein Kontrast.
Am Sonntag schliefen wir aus und gingen nachmittags, wie so oft, etwas in die Stadt zum Shoppen. Diesmal liess ich mir ein paar schoene Hemden schneidern, ging zum Augenarzt um meine Sehstaerke zu testen (immernoch mehr als 100%!!!), kaufte eine Sonnenbrille, ass zur Abwechslung mal bei KFC, und suchte nach Laeden, die reine Seide zum Schneidern von Hemden und Kurtas verkaufen. Danach traf ich mich noch mit einer Inderin auf ein grosses Eis im Corner House und war dann gegen 20 Uhr wieder zu Hause. Georg hatte inzwischen einen Inder, den er vor paar Wochen mal auf der Strasse kennengelernt hatte, ins Guesthouse eingeladen. Da sassen wir nun, quatschen und versuchten die Akzente des anderen zu verstehen - keine leichte Aufgabe. Als wir auf dem Dachbalkon standen und ueber Koramangala schauten, entschieden wir uns noch einen kleinen Snack einzunehmen. Nun, bekannterweise schliesst alles um spaetestens 23:30 Uhr in Bangalore. Doch es gibt da einen sehr respektierte moslemische Familie, die schon seit Ewigkeiten Restaurants in Bangalore betreibt, ueber 20 Stueck. Zu dem einen in Koramangala, The Paramount, fuhren wir. Der Inder hatte ein Motorrad, also nahmen wir dieses um dort hin zu gelangen. Nun, wie in Indien typisch, sind 3 Personen auf einem kleinen Motorrad, eine 150er Bajaj Pulsar, keine Seltenheit. Nun waren es aber zwei grosse, schwere Westler und nur ein Inder und nicht drei schlanke, kleine, leichtgewichtige Inder. Egal, wir quetschten uns drauf und ich fuhr uns zum Paramount. Unser Inder war dort sehr bekannt und verhalf uns dazu, dass das bestellte ganze Tandoori-Chicken vier riesige Schenkel anstelle fleischlosser Knochen hatte. Nicht schlecht, wenn nicht der weisshaeutige Westler bestellt. Selbst nachdem die Sossen alle waren, bekamen wir sofort neue - nicht so alltaeglich fuer uns Weisse. Wir liessen etwas Trinkgeld und gingen nach draussen; es war inzwischen kurz nach Mitternacht; und siehe da, zwei Polizisten kamen mit ihren Motorraedern mit Rundumleuchte an und baten die Sicherheitsangestellten das Restaurant zu schliessen waehrend wir unseren Litchi-Milchshake genossen. Wir begannen ein kleines Gespraech mit dem Typen der neben uns stand. Er war der Mitbetreiber dieser ueber 20 Restaurants in Bangalore; also bekam ich die Chance gleich mal nachzufragen, wie das denn nun alles so funktioniert mit dem Aufbleiben nach 23:30 Uhr. Die Polizei hatte uebrigens das Restaurant inzwischen wieder verlassen; es wurden nun ein paar kleine Waende vor die Theke gebaut und natuerlich das Licht ausgeschaltet; aber der Betrieb ging weiter. Das Restaurant hatte ab sofort keinen beleuchteten Namen mehr. Auch im kleinen Kiosk nebenan, wo es Zigaretten, Kaugummis, ... gibt, wurde das Licht ausgeschalten und die Anzahl der Kunden schien sich zu verdoppeln. Wie auch immer, ich liess mir vom Mitinhaber erklaeren, wie das alles funktionieren kann, dass die Polizei absolut inkonsequent sei und vorallem nur genau deren Restaurants geoeffnet bleiben duerfen. Er erklaerte uns, dass alle Restaurants einer sehr einflussreichen moslemischen Familie gehoeren. Einer in der Familie sei sogar bei der Polizei. Auf jeden Fall stehen die Polizei-Praesidien auf der monatlichen Lohnliste. Es geht also kontinuierlich eine Menge Geld dort hin. Alle Polizisten, die am Abend vorbeikommen, werden zusaetzlich mit guten kostenlosen Essen verwoehnt bis sie ohne zu fragen die Gegend verlassen. Natuerlich pilgern dadurch eine Menge Polizisten zu mitternaechtlichen Zeiten zu diesen Restaurants, aber das ist nichts gegen die Menge junger Konsumenten, die den Abend nicht schon vor Mitternacht beenden wollen. Wir quatschten weiter mit dem Mitbetreiber. Er erzaehlte weiter, dass er viele Jahre weltweit mit Container-Schiffen unterwegs war. Unteranderem erwaehnte er seine heisse Freundin aus Nuernberg, die er damals in Hamburg hatte. Er schwaermte regelrecht von ihr. Im gleichen Atemzug erwaehnte er seine kleine Familie in Bangalore. Er erzaehlte uns, dass alle Restaurants bis 3 Uhr morgens aufbleiben duerfen. Inzwischen kam der Boss an, der gerade mit seiner neuen 270er Mercedes E-Klasse quer vor seinem Restaurant parkte um nach dem Rechten zu schauen. Er arbeite den ganzen Tag und waere aber taeglich von 6:30 bis 11 Uhr bei seiner Familie zu Hause. Danach wird wieder nach dem Rechten gesehen. Nun rief ihn die Arbeit und er musste uns verlassen; wir sprangen wieder auf den Roller, fuhren heim und vielen todmuede ins Bett.