Hendrik bei SAP in Bangalore/Indien

Sonntag, Mai 28, 2006

Ein Wochenende in Bangalore

Nachdem wir die letzten Wochenende genug gereist waren, bin ich diese Woche mal in Bangalore geblieben. Das bedeutet aber nicht, dass weniger Abenteuer auf dem Plan stand. Am Freitag Abend war Klaus' Abschiedsparty. Klaus war auch SAP Praktikant und hat an seiner Diplomarbeit gearbeitet. Gleich nach der Arbeit sind wir also auf zum SAP Guesthouse um die Party vorzubereiten. Dort angekommen, goennten wir uns noch ein Stueck Kuchen und einen Tee am "Imbiss" um die Ecke. Dann begannen wir die Dachterrasse vorzubereiten - Waesche musste weggeraeumt, Tische zurechtgerueckt werden, ...! Es dauerte nicht lange, da kamen zwei bestellte Inder, die die Beleuchtung installierten. Sie verliessen uns mit dem Hinweis: "Bitte nicht die Lampen und Leitungen anfassen, das ist nicht gesichert und steht unter Strom!"
Da wir endlich mal wieder grillen wollten, mussten einige Besorgungen dafuer gemacht werden: Ein Arbeitskollege organisierte eine Schale, in der die "Holzkohle" liegen kann. Die die wir bekommen haben, wird normalerweise fuer Gebete und andere Andachten benutzt - wir wollten darauf also nun Fleisch grillen und das entspricht nicht gerade der Reinheit (zum Glueck weiss das keiner!!). Ein Rost liess Klaus beim Mechaniker nebenan biegen und gab ihm 2 Euro dafuer. Natuerlich brauchten wir auch noch Holz, da Holzkohle nur ein Wunschtraum blieb. Ich zog also los und suchte einen "Holzhandel" um die Ecke:
Inzwischen hatte es angefangen zu regnen. Wir suchten uns ein paar Aeste raus, welche mit Ziegelsteinen als Gegengewichte abgewogen worden, drueckten den Verkaeufern einen Euro in die Hand und rannten mit den Aesten ueber dem Kopf die Strasse entlang. Ihr koennt euch sicher vorstellen, wie doof mich alle angekuckt haben - ein Weisser mit Holz auf dem Kopf (normalerweise sieht man hier nur indische Frauen, die diese Arbeiten verrichten). Am Guesthouse angekommen, war ich natuerlich nass und dreckig, da die Strasse teilweise sehr schlammig war. Egal, Abenteuer pur!
Wir versuchten nun, mitten im Regen, aber doch unter einem kleinen Dach auf der Dachterrasse, das Feuer zu entfachen. Nach und nach trafen auch die ersten Gaeste ein und wir zwaengten uns unter das kleine Dach, da es immernoch regnete. Nach einer Weile musste Georg nochmal zum Holzhandel um Nachschub zu holen. Mit Sandwiches, Bratwuersten, Paneer (der indische Kaese), Gemuese und knapp 200 Dosen Bier genossen wir den Abend:
Ich machte mich dann 12:30 aus dem Staub, da fuer den naechsten Tag viel geplant war und ich immernoch von der Woche davor muede war. Die Party ging noch bis morgens weiter: besoffene Inder mussten nach Hause getragen werden, man war in kleine Unfaelle verwickelt, rammte Taxis.....und hatte maechtig Kopfschmerzen am Morgen danach.

Am Samstag sind wir 10 Deutsche dann zum Pferderennen in Bangalore - natuerlich alle in einem Auto. 20 Cent Eintritt und 10 Euro verwettet, das war meine Bilanz. Spass hatten wir aber auf jeden Fall.
Danach gings weiter zur Palmblattbibliothek (Georg, Klaus und ich): Vor ner Menge Jahren hat da jemand mal die Geschichte jeden Menschens auf ein Palmblatt geschrieben. Man kann nun also da hin gehen, seinen Namen, Geburtstag und Namen der Eltern nennen und bekommt "sein" Palmblatt aus der 1,3 Mio Sammlung herausgesucht. Die Suche dauert mehrere Tage, dann wird einem sein Schicksal vorausgesagt! Wir suchten also nach der entsprechenden Person, die uns diese Infos geben kann. Nachdem wir erst im falschen Haus waren, klopften wir dann an einer Tuer im Hinterhof und mussten leider zur Kenntnis nehmen, dass man 2 Monate im Voraus einen Termin machen muss. Schade!
Es ging wieder zurueck in die Stadt - ins Pecos, eine kleine Bar und Kneipe! Dort angekommen warteten schon die anderen SAP Praktikanten auf uns. Leider war an deren Tisch nicht genug Platz, also setzte ich mich mit Georg zu den 2 Inderinnen am Nachbartisch. Es dauerte keine 10 Sekunden und schon waren wir im Gespraech vertieft. Georg spielte mit einer der Beiden ne Weile Schach, ich liess mir ein paar Grundlagen erklaeren. Nachdem wir die Nummern ausgetauscht hatten um uns bald wiederzutreffen, verliessen wir die Bar. Wir hatten noch circa 2 Stunden bis zur naechsten Party zu ueberbruecken. Ich war von einer anderen Inderin zum Essen eingeladen worden, also ging ich zu ihr. Georg und Klaus vertrieben sich die Zeit in einem Cafe. 20:30 trafen wir uns wieder, um mit dem Bus zur AIESEC-Party ausserhalb der Stadtgrenzen Bangalore's zu fahren. Ein paar AIESEC Praktikanten konnten es nicht mehr ertragen, jeden Tag schon 23:30 nach Hause gehen zu muessen und mieteten sich ein Haus ausserhalb von Bangalore mitten im Wald. Circa 200 Praktikanten aus Bangalore, Hyderabad, Chennai, ... waren gekommen. Aus der geplanten Abfahrt um 21 Uhr wurde natuerlich nichts, da der Bus ewig im Stau stand. Gegen 21:30 begann dann doch die Odyssee.
Wir waren auf 2 Busse verteilt und nur ein Busfahrer kannte den Weg. Wir waren im Bus des unwissenden. Es dauerte nicht lange, da hatten wir den anderen Bus verloren - wie auch immer man diese Blechschleudern auch aus dem Auge verlieren kann. Wir suchten also eine Ewigkeit nach dem anderen Bus, Leute stiegen aus und fragten nach dem Weg, es wurde telefoniert....! Gegen 22:30 Uhr (wir hatten nicht mehr als 5km bisher zurueckgelegt) entschied man sich, am naechsten Alkoholgeschaeft anzuhalten um sich mit Bier einzudecken. Alle stiegen aus und kauften Bier - jeder kam mit einer vollen Plastiktuete zurueck. Fuer den Inhaber des Laedchens war das sicher der Umsatz seines Lebens. Die Reise ging weiter. Wir erfuhren inzwischen, dass der andere Bus einen Platten habe und feststecke. Uns blieb also genug Zeit, diesen Bus zu finden ;-). Wir fuhren 3mal am gleichen Tempel vorbei und die Bierreserven wurden weniger und weniger - der Geruch im vollgestopften Bus naeherte sich auch immer mehr dem in einem Tigerkaefig an. Zwischendurch musste der Bus mehrfach anhalten, da das Bier ja auch irgendwie wieder raus musste:
Gegen Mitternacht hatten wir endlich die Stadtgrenzen von Bangalore durchbrochen. Wir fuhren nun auf einmal durch Waelder, der Bus schaukelte, sass auf und man flog im Bus hin und her. Von weitem hoerten wir nun endlich leichte House-Musik. Die letzten 15min mussten wir noch zu Fuss durch den Wald zuruecklegen und erreichten die Partylocation gegen 0:30! Nix wie auf die Tanzflaeche, das letzte Bier toeten und Spass haben:Ups, da war doch noch ein Dresdner. Und auch noch von AIESEC Dresden - wir kannten uns eigentlich schon 2 Jahre. Wir wollten nun mit dem ersten Bus 2:30 zurueck fahren, da wir um 5 jemand am Flughafen abholen wollten. Um 3:30 hatte sich immernoch nichts getan, da die Busse aufgrund der dahinter geparkten Autos nicht mehr rauskamen. Jegliche Ankuendigungen durch das Mikro brachten nix - die AIESEC Menge feierte weiter. Gegen 4 Uhr tauchte dann auf einmal die Polizei auf - 8 Polizisten mit Cowboy-Hut und Gewehr! Die Musik wurde also schnell ausgemacht, alle verschwanden in den Bussen und Autos und die Heimreise konnte beginnen. Gegen 4:30 waren wir dann auch wirklich wieder aus dem Wald raus. Kurz nach 6 waren wir zurueck zu Hause.

Fuer 12 Uhr am Sonntagmorgen hatten wir im 5-Sterne Kempinsky Leela Palace einen Tisch fuer uns 10 Deutsche (+ 2 Inderinnen) fuer den Brunch reserviert. Bis um 4 schlugen wir uns fuer 20 Euro pro Person den Magen voll. Es gab ueber Indisch, Sushi, Japanisch, Koreanisch, Mongolisch, Thailaendisch alles Erdenkliche. Und alles war verdammt lecker. Das Essen wurde natuerlich an den Platz gebracht, der Orangensaft und Sekt wurde anhaltend nachgefuellt. Nach 4 Stunden hatte ich es immernoch nicht geschafft, auch nur ein Viertel der Gerichte zu probieren. Selbst an der Suessigkeitentheke habe ich eine Menge stehen lassen muessen. Wie auch immer, bewegen konnte ich mich danach nicht mehr. Also ging es heim ins Bett und das Wochenende ging seinem schlaefrigen Ende entgegen.
Was fuer ein geniales Wochenende!