Hendrik bei SAP in Bangalore/Indien

Dienstag, Mai 02, 2006

Adventure Goa

Das Abenteuer Goa begann schon 3 Tage vor dem eigentlichen Abflug - unser Flug nach Goa wurde abgesagt. Zum Glueck gab es aber die Moeglichkeit kostenlos auf einen anderen ein paar Stunden eher umzubuchen. Kurz vor Abflug am Donnerstag wurde dieser Flug dann allerdings wieder nach hinten verschoben und wir sind doch nahe der urspruenglich geplanten Zeit gestartet. Mit der Air Deccan Propellermaschine in Goa angekommen, wollten wir (also ein anderer Dresdner, ein anderer SAP-Praktikant und ich) sofort zum naechsten Strand um uns dort Motorraeder auszuleihen. Da wir natuerlich die ueberteuerten Taxipreise (ich spreche hier von 3 Euro ;-)) nicht bezahlen wollten, haben wir uns zu Fuss auf den Weg gemacht. Schon nach ein paar Metern hielt ein kleiner 3-Rad-Transporter an, auf dessen Ladeflaeche wir dann bis ins naechste Dorf - Bogmalo - mitfahren konnten.
Dort wollten wir nach einer Empfehlung hin dann die Motorraeder ausleihen, was aber leider fehlschlug. Stattdessen, ging es nun mit Bussen auf nach Panjim, der Hauptstadt von Goa, und dort mit einer ueberteuerten Rickshaw in ein kleines Hotel aus dem Lonely Planet. Schon trafen wir auf zwei Franzosen, die uns gleich mit zu deren Motorradverleih nahmen, da sie ihre Roller des 2-woechigen Goa-Aufenthaltes zurueckgeben wollten. Dort haben wir nach ein paar Verhandlungen 2 Maschinen (eine Bajaj Pulsar 150ccm und eine Bajaj Avanger 180cm) fuer 500 Rupien (also 10 Euro) pro Tag ausgeliehen, mit denen wir die kommenden 4 Tage quer durch Goa fahren wollten.

Das Abenteuer konnte also beginnen. Nach einem entspannten Abendbrot am Fluss mit den Franzosen sind wir am Freitagmorgen nach einem Croissant-Fruehstueck und einer kurzen Standrundfahrt durch Panjim zeitig aufgebrochen um nach Mapusa zum Wochenmarkt zu kommen. Endlich konnten wir unsere Motorraeder richtig nutzen und uns in den indischen Verkehr stuerzen. Auf dem kurzen Stueck Highway mussten wir die verkeimten Helme aufsetzen - allerdings nur die Fahrer, fuer meinen Mitfahrer gab es keinen Helm. Schon nach kurzen Zeit hat man sich ans Hupen, Links- und Rechtsueberholen und die Kuehe auf der Strasse gewoehnt. Da wir (fuer indische Verhaeltnisse) hochmotorisierte Maschinen hatten, konnten wir natuerlich an allen vorbeiziehen. Nachdem wir in Mapusa vom Highway runter sind, haben wir uns sofort die Helme vom Kopf gerissen und sind - wie jeder hier - ohne Helm durch die Stadt.
In den Menschenmassen des Marktes angekommen, wollte natuerlich jeder seine Waren an uns Weisse loswerden. Uns wurden Hemden, T-Shirts, Kissen, Bettbezuege, Gemaelde, Fruechte, .... angeboten. Bei den 35 Grad und mit den schweren Ruecksaecken auf dem Ruecken haben wir in der prallen Sonne natuerlich maechtig geschwitzt. Nachdem wir uns alle auf dem Markt verloren hatten, weil jeder mit einer anderen huebschen Inderin verhandelte, sind wir nach ca. 3 Stunden weiter Richtung Norden aufgebrochen. Am verlassenen Asvem Beach checkten wir sofort in ein Strandhaeuschen ein (10 Euro fuer eine Nacht fuer drei Personen) - Palmen, Blick aufs Meer und keine Menschenseele.
Kurz nachdem wir uns an das Paradies gewoehnt hatten, klingelte auch schon mein Handy und die Fluggesellschaft, Air Deccan, war am Apparat. Es wurde verkuendet, dass unser Rueckflug von Goa nach Bangalore ersatzlos abgesagt wurde :-)! Klang erstmal nicht schlecht, schliesslich bleibt man gern laenger in so einer Gegend. Leider wuerden unsere Manager bei SAP da sicher anderer Meinunng sein und wir suchten nach anderen Moeglichkeiten. Nach langem Hin und Her war uns klar, dass uns nur noch eine Rueckfahrt mit einem Bus uebrig bleibt.
Wie auch immer, es ging wieder auf die Motorraeder um die Nordspitze von Goa zu erreichen. Wir fuhren durch Waelder, vorbei an kleinen Doerfern, mit einer Faehre ueber einen Fluss, ... und erreichten eine zum Hotel umgebaute Burg (die Besitzerin war eine Deutsche) - Uebernachtungskosten fuer die Suite knapp 200 Euro. Dort genossen wir einen kleinen erfrischenden Drink und ergoetzen uns an der Aussicht ueber den Kuestenstreifen. Hier ein Bild vom Cockpit der Faehre und die umgebaute Burg, in dessen Inneren sich eine grosse Kapelle befand:
Am Abend fuhren wir ins 30km entfernte Baga und versuchten uns dabei den Rueckweg einzupraegen, da Schilder und Leute zum Fragen in der Nacht Mangelware sind. In Baga angekommen, haben wir uns am Strand ein Restaurant gesucht und Riesengarnelen (8 Euro) gegessen. Danach ging's noch in zwei der bekanntesten Clubs in Goa - Tito's und Mambo. Da wir 22 Uhr noch etwas zeitig dran waren (wir sind ja an der Partyleben in Bangalore gewoehnt, wo alles schon 23 Uhr schliesst) und nach ein paar Verhandlungen mit den Tuerstehern bekamen wir die Stempel einfach so auf den Arm und mussten keinen Eintritt bezahlen - da hatte jeder gleich 20 Euro gespart! Vorm Schlafengehen in unserer Strandhuette sind wir zur Abkuehlung nochmal ins Meer gesprungen. Am naechsten Morgen fuhren wir wieder gen Sueden um uns Old Goa anzusehen. Dort war der portugisische Einfluss deutlich zu spueren. Es gab ueber 10 grosse Kirchen in kurzer Entfernung, aber absolut keine Wohngebaeude. Keiner weiss, von wem diese riesigen Kirchen in einem Hindu-Land je gefuellt werden sollen.
Nach ein paar Rundgaengen ging die Fahrt weiter ins Landesinnere. Wir sind extra nicht entlang der grossen (d.h. eigentlich sehr kleinen, einspurigen) Highways gefahren, damit wir uns in Ruhe die Landschaft ansehen koennen und nicht staendig von LKWs angehupt werden. Diese Idee schlug allerdings ins Gegenteil um, als die Strasse an einigen Eisenerzmienen vorbei fuehrte. Mit einem Schlag war die ganze Strasse voller Sand und Hunderte LKWs um uns herum, die schon ueberholen wollten, wenn man nur 2m zum LKW vor einem Platz liess. Nach einer halben Stunde war das Uebel vorrueber wir waren von oben bis unten mit Rost bedeckt. Wie auf dem Bild leicht zu sehen ist, konnten dadurch sogar unsere Sonnenbraende etwas abgedeckt werden:
Nach weiteren zwei Stunden Fahrt ueber Berge und durch zahlreiche kleine Doerfer haben wir nach staendigem Fragen nach dem Weg das Capo da Rama erreicht, eine nicht mehr vorhandene Burg an der Steilkueste zum arabischen Ozean. Uebrigens, man muss hier mindestens zwei Leute nach dem Weg fragen, da manch einer einen voller Ueberzeugung auch mal in die komplett falsche Richtung schickt. Wie auch immer, wir genossen nach einem anstrengenden Tag, an dem wir ueber 150km auf dem Motorrad zurueckgelegt hatten, den Sonnenuntergang:
Im Dunkeln ging die Fahrt weiter suedlich nach Agonda Beach. Dort fuhren wir so lange am Strand entlang, bis wir eine schoene Unterkunft gefunden hatten. Fuer 6 Euro konnten wir direkt am Strand in einer kleinen Huette uebernachten. Natuerlich sind wir vorm Schlafen nochmal ins Meer gesprungen. Nur war die Strand hier etwas anders als im Norden - es hatte sich durch die Wellen ein grosser Absatz, ca. ein Meter hoch, auf etwa halber Hoehe des Strandes gebildet. Da man im Finstern solche Dinge nicht erkennen kann, sind wir zu dritt gleichzeitig "abgestuerzt". Davon liessen wir uns natuerlich nicht abhalten und es ging ab ins Wasser. Nun fiel uns auf, dass das Wasser bei Bewegung anfing zu leuchten - als ob das ganze Wasser voller Unterwasser-Gluehwuermchen waere. Diese Tierchen blieben sogar an einem kleben und leuchteten kurz weiter. Wir konnten bis heute nicht herausfinden um was es sich dort gehandelt hatte. Am Morgen danach waren wir dann leicht ueberwaeltigt von unserer schoenen Huette und dem verlassenen Strand:
Wir liessen unsere Ruecksaecke fuer den Tag bei der netten Familie, die die Huetten vermieteten und brachen zu einem Nationalpark weiter suedlich auf. Dort angekommen, erschrocken von den ganzen Tieren (Kobras, Bisons, Tiger, ...), die auf den Bildern im Checkpost zu sehen waren und sich im Park aufhalten sollten, fuhren wir langsam in den Park hinein. Wir hatten eine Karte bekommen, die aber ueberhaupt nicht mit den Gegebenheiten uebereinstimmte. Nach gar nicht so langer Zeit hatten wir uns auch schon verfahren und waren im dichten Wald. Der Ausflug wurde also zum Motocross-Abenteuer - endlich!!! Es ging durchs Flussbett, quer ueber ausgetrocknete Reisfelder, ueber Wurzeln, vorbei an brennenden Waldteilen, Wasserbueffeln, Uhus und Affen, die sich an den Lianen entlang schwungen. Irgendwann trafen wir auf ein paar kleine Strohhuetten, deren Bewohner wir gleich versuchten nach dem Weg zu fragen. Leider kuckten die uns so an, als haetten sie das erste Mal andere Menschen und erstrecht eine Karte gesehen. Also mussten wir uns weiter nach dem Stand der Sonne richten und erreichten nach circa 3 Stunden Abenteuer die Zivilisation.

Unsere Fahrt ging weiter nach Palolem Beach, einer der bekanntesten Straende in Goa. Das war sofort bestaetigt, als man die vielen Weissen rumlaufen sah. Das war also nicht gerade das, was wir gesucht hatten und damit brachen wir auf um unsere Taschen in Agonda Beach abzuholen und wieder Richtung Norden zu fahren. Nach kurzer Zeit ging mir aber das Benzin aus und ich musste auf Reserve schalten. Nur wo findet man in diesen Doerfern eine Tankstelle? Kurz fragen und schon bekamen wir eine Adresse, wo ich tanken konnte. Leider gab es an der besagten Stelle keine Tankstelle, also wieder fragen. Es stellte sich heraus, dass ich genau richtig war. Der Inhaber der kleinen Verkaufsbude brachte 3 Wasserflaschen mit Benzin gefuellt an und betankte mein Motorrad. Ich drueckte ihm 1 Euro pro Flasche in die Hand und weiter ging's:
Wir fuhren also weiter noerdlich um noch vor der Dunkelheit Colva, eine andere bekannte Strand-Stadt, zu erreichen. Da es wieder viele Strassen gab, die auf der Karte nicht eingezeichnet waren und Wegweiser fehlten haben wir nacheinander alle Abzweigungen probiert bis wir die richtige Strasse gefunden hatten. Dabei kamen wir zum Beispiel an einem Feld vorbei, auf dem Fische getrocknet wurden und Voegel und Kuehe sich eine kleine Mahlzeit goennten. Wir haben uns da schon ganz schoen gewundert, warum es in den Bergen auf einmal so nach Fisch stank. Zurueck an der Kueste fuhren wir durch kleine Fischerdoerfer bis wir mit einer Faehre ueber einen Fluss uebersetzen mussten. Leider wurde es nun schon dunkel und wir erreichten Colva gegen 20 Uhr. Wir konnten also nicht nach einer schoenen Unterkunft suchen und haben uns schnell in einem kleinen Resort eingemietet. Nach einer schnellen Dusche sind wir wieder zum Strand und haben in einem der Restaurants Hummer gegessen - schliesslich darf man sich das bei den Preisen (7 Euro) nicht entgehen lassen:
Am Montagmorgen fuhren wir dann zurueck nach Panjim um dort einen Bus zu bekommen. Entgegen aller Erwartungen waren alle privaten Busse voll. Offiziell waren nicht einmal die unklimatisierten und langsamen staatlichen Busse verfuegbar. Es dauerte aber nicht lange, schon kam jemand zu uns und wollte uns Tickets verkaufen. Das lief dann folgendermassen: Am Ticket-Schalter wurde einfach allen gesagt, dass der Bus voll ist; Ein anderer laeuft rum und bietet die gleichen Tickets fuer einen hoeheren Preis an; Nachdem er den Deal in Tasche hat, kauft er die Tickets ganz normal am Ticketschalter, gibt dem Verkaufer, der vorher allen einen vollen Bus beschrieben hatte, etwas Geld und steckt sich selbst auch etwas ein. Das Busticket kostete also 400 Rupien normal, plus 100 Rupien fuer den Ticketschalter, plus 50 Rupien fuer den Verkaeufer! Also hatten wir nun zum Glueck noch Tickets fuer eine Nachtfahrt von Goa nach Bangalore bekommen. Wir haben schnell unsere Motorraeder zurueckgegeben und ich habe mir noch meine Haare schneiden und eine Kopfmassage geben lassen (Kosten: 2 Euro):
Fuer die 600km waren wir nun mit dem Bus fuer 18 Stunden unterwegs: An steilen Anstiegen blieb der Bus fast stehen und es schmiss uns im Bus aufgrund der schlechten Strassenverhaeltnisse hin und her. Schlaf haben wir natuerlich nicht viel abbekommen. Meine Knie mit blauen Flecken nur so uebersaeht. Am Kopf hatte ich morgens ausserdem eine Menge Beulen, da ich im Halbschlaf immer wieder gegen die Fensterrahmen geknallt bin. Angekommen in Bangalore, haben wir uns mit einer Rickshaw schnell nach Hause fahren lassen, haben geduscht und erreichten das Buero puenktlich zum Mittagessen am Dienstag.