Hendrik bei SAP in Bangalore/Indien

Montag, Mai 22, 2006

Adventure Mysore, Mudumalai, Ooty

Nachdem wir, bzw. besonders die nette indische Bekanntschaft, die ganze Woche unseren Wochenendtrip geplant hatten, sind wir am Donnerstagabend mit dem Bus von Bangalore nach Mysore aufgebrochen. Ich war mit meinem Mitbewohner Georg, einer Inderin und einer Schwedin kurdischer Abstammung, die zur Zeit in Bangalore ein AIESEC-Praktikum macht, unterwegs. Diesmal hatten wir einen Deluxe Semi-Slepper als Bus und die Strasse war auch um einiges besser als die von Goa nach Bangalore. Nach Mitternacht in Mysore angekommen, schnappten wir uns die erste Rikscha und liessen uns ins Hotel bringen. Auf halber Strecke fiel die Rikschaw aus und wir mussten noch etwas laenger in dieser eingezwaengt bleiben. Nach einer kurzen Reparatur und Nachfuellen von Benzin konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Unser Hotel war in einer kleinen Seitenstrasse, die natuerlich nachts tot und dreckig war:
Das Zimmer war mit einem Doppelbett und zweit Zustellbetten bestueckt, die Toilette folgte strikt den indischen Standards; eine Dusche gab es nicht, nur einen Eimer. Vorm Schlafengehen sind wir ohne die Maedels, denen die Stadt um die naechtliche Stunde doch etwas zu unheimlich geworden war, kurz zum Maharaja's Palast aufgebrochen um diesen nachts beleuchtet zu sehen. Dort angekommen, kamen wir mit zwei anderen Indern aus Bangalore ins Gespraech, die genau die gleiche Idee wie wir hatten. Da wir uns in Mysore nach der einen Stunde Aufenthalt noch nicht so gut auskannten, verliefen wir uns natuerlich etwas auf dem Rueckweg. Im Hotel doch wieder angekommen, ging's dann aber schnell ins Bett. Fuer mich war nur noch das Bett auf dem Boden, d.h. etwas Stroh zu einer Matraze geschnuert und mit einem Bettlaken bezogen, uebrig.

Am naechsten Morgen hatte sich die kleine Strasse auf der sich das Hotel befand etwas veraendert: Wie auch immer, wir besuchten den Maharaja's Palast. Da wir zuerst am falschen Eingang waren, liessen wir uns mit einem Pferdewagen einmal um den Palast zum richtigen Eingang fahren. Im Inneren des Palastes liefen wir durch zahlreiche geschmueckte Raeume mit vielen Saeulen und detaillierten Applikationen. Natuerlich musste man dort barfuss hindurch, damit alles fein sauber bleibt. Neben den Schuhen mussten auch die Fotoapparate draussen bleiben.
Danach liefen wir noch ueber den bekannten Fruechte- und Gemuesemarkt von Mysore und probierten eine Menge leckere Fruechte. Danach suchten wir am Busbahnhof einen Bus, der uns zum Mudumalai Nationalpark bringen sollte. Wir fanden einen fuer 50 Rupien, also knapp 1 Euro, pro Person. Die 3stuendige Fahrt ueber die kaputten Strassen wurde zum kleinen Abenteuer. Die Loecher und Huckel waren so schlimm, dass man sich gut festhalten musste und trotzdem ab und zu 30cm vom Sitz abhob. Mein linker Nachbar tippte mir staendig kraeftig gegen die Schulter um mich auf die Tiere - wilde Elefanten, Affen, ... - neben der Strasse aufmerksam zu machen. Selbst er war vor Aufregung kaum zu halten. Auf meiner rechten Seite sass eine kleine junge Familie. Die kleine Tochter, sicher nicht aelter als 1 Jahr, musste doch nicht auf einmal Pipi machen waehrend sie auf dem Schoss ihres Vaters sass?! Nun sass also jemand neben mir, der im Schritt nass war und ein Baby, das nicht mehr wirklich gut roch. Wie auch immer, die lange Reise ging weiter. Am Abzweig zum Mudumalai Nationalpark sprangen wir vom Bus, der weiter nach Ooty fuhr, ab. Ich hatte nicht wahrgenommen, dass mir Georg eine Plastiktuete mit Bananen und Weintrauben an den Rucksack gebunden hatte. Also waehrend wir auf ein Taxi warteten, dauerte es nicht lange bis die Affen aus den Baeumen sprangen and an meinem Rucksack rissen bis sie endlich die Tuete aufgerissen hatten und die Fruechte entwendeten. Schnell kamen andere hinzu und assen die heruntergefallenen Weintrauben.
Der angeblich bestellte Jeep, der uns abzuholen sollte, kam natuerlich nicht. Nach kurzen Gespraechen mit den lokalen Touristenfuehrern (einer konnte sehr gut Englisch, war schon in Deutschland und Frankreich und war sehr nett) liessen wir uns von ihm im Jeep zum Hotel bringen, 150 Rupien. Wir kamen im Jungle Retreat, eines der teureren Unterkuenfte im Mudumalai Nationalpark, unter. Ueber eine grosse Flaeche verteilt, mitten im Wald vor den Bergen, befanden sich kleine Bambushuetten, kleine Cottages (Haeuschen) und sogar ein luxurioeses Baumhaus (leider war das schon ausgebucht)! Ausserdem war das Gelaende mit einem genialen Pool, einem kleinen Restaurant mit leckerem Essen, einem Volleyballplatz und und und ausgestattet. Hier ein Bild vom Pool und unserem Haeuschen:
Uns blieb also der ganze spaete Nachmittag und Abend zum Relaxen. Wir genossen die Aussicht und die Ruhe, gingen in den Pool baden, stiefelten durch den kleinen Wald der unser Haeuschen umschloss, bedienten uns am leckeren Buffet und liessen den Abend ausklingen. Waehrend ich bis nach Mitternacht mit der indischen Begleitung am Lagerfeuer sass und mich mit ihr ueber die indische Kultur und ihre Erfahrungen im Ausland unterhielt und dabei die Sterne beobachteten, genoss Georg mit der schwedischen Begleitung einen Whiskey und eine Flasche Bier. Aus dem Plan zeitig ins Bett zu gehen wurde natuerlich nichts und ich kam dann gegen 1 Uhr in der Ritze zwischen Georg und der Inderin unter. Wir drei sind uebrigens alle vom Sternzeichen Waage bzw. gehoeren zum Element "Luft". Die Schwedin war "Wasser" und schlief im Zustellbett. Diese Sternzeichen-Unterschiede haben uns noch viel Spass in den darauffolgenden Tagen bereitet, da komischerweise wir drei immer genau das Gleiche machten und sie doch immer wieder etwas verschieden war.

Um 5:30 Uhr morgens klopfte es schon an der Tuer und wir wurden fuer das Jungle-Trekking abgeholt. Nach einem kurzen Fruehstueck ging's ab in die Jeeps und damit in den dichten Wald. Mit einem Fuehrer (ein Ornithologe) und 6 weiteren Indern liefen wir nun zwei Stunden durch den Wald auf der Suche nach wilden Tieren. Gleich am Anfang sahen wir im Dickicht aus der Ferne einen Elefanten auf Futtersuche. Natuerlich konnten wir nicht naeher ran, da Elefanten sehr gefaehrlich werden koennen. Wir liefen weiter durch den Wald, ueber Lichtungen mit beeindruckender Aussicht, durch kleine Taeler und vorbei an kleinen Wasserloechern bis wir auf das naechste Doerfchen trafen, von wo wir wieder abgeholt werden sollten. Wir hatten also nur knackende Aeste gehoert, Teile von Elefanten gesehen und sind auf einige vorbei springende Affen und Rehe gestossen. In Sachen wilde Tiere war dieser Trip also nicht so erfolgreich, aber dafuer war die Gegend kurz nach Sonnenaufgang einfach nur genial:
Zurueck im Hotel gab es nun richtiges Fruehstueck und wir relaxten weiter am Pool und in den Haengematten an unserer Huette. Nach einem thailaendischen Mittagessen liessen wir uns mit dem Jeep ins 30km entfernte Ooty fahren. Wir mussten also ungefaehr 1500m Hoehenunterschied ueberwinden, was wir durch steile Strassen und 36 Haarnadenkurven nach 1,5 Stunden hinter uns gebracht hatten. Ooty ist die beliebteste Hill Station (ein Bergdorf) in Suedindien in einer Hoehe von 2200m. Die Stadt erstreckt sich ueber zahlreiche Huegel und Taeler. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, liessen wir uns in die Innenstadt fahren um ein paar Dinge einzukaufen. Da in Ooty die Temperaturen nicht mehr ueber die 35 Grad Bangalore-Tempartur hinausstiegen, sondern nur noch um die 25 Grad waren, haben Georg und ich erstmal Pullover eingekauft, da es schon ganz schoen frisch war. Dazu kamen dann noch ein paar Schlappen und ein paar Souvenirs, die wir uns dummerweise, aber nur fuer wenige Cents, aufquatschen liessen! Abends wollten wir in "den" Club in Ooty - gelandet sind wir in einer Piano-Bar in einem 5-Sterne Hotel. Nachdem uns die Klaviertoene zu eintoenig und damit einschlaefernd wurden, brachen wir auf in Richtung Tal. Leider gab es keine Rikscha mehr und es war verdammt weit. Zum Glueck hielte schnell ein Jeep neben uns an, mit 2 Indern und einem Schweizer. Es wurde nicht lange diskutiert und schon sassen wir vier mit drin. Um sicher zu gehen, dass halb 11 auch wirklich nichts mehr in Ooty los war, fuhren wir noch schnell ein paar andere Lokationen ab und landeten letztendlich doch zu Hause bei einem der jungen Inder. Es stellte sich heraus, dass alle drei erfolgreich im Hotelbusiness in Ooty arbeiten ("Fuer ein Zimmer, fuer welche ich 1500 Rupien nehme, habe ich maximal 100 Rupien Kosten!"). Der Schweizer hatte vor 4 Wochen gerade sein Leben in der Schweiz hinter sich gelassen und sich in eine indische Familie integriert, die er ins Hotelbusiness begleiten sollte. Seine indische "arranged" Hochzeit steht schon auf dem Plan; zurueck nach Europa geht's wahrscheinlich nicht. Echt interessant!!

Fuer den naechsten Morgen hatten wir Motorraeder bestellt, Kosten: 600 Rupien - 11 Euro!
Wir wollten uns also die Bergregion etwas genauer anschauen und hatten uns eine Menge vorgenommen. Hier eine Karte aus Google Earth mit der eingezeichneten Strecke:
Wir starteten im 2200m hohen Ooty und fuhren zum hoechsten Gipfel der Region, Doddabetta, auf 2500m Hoehe. Nach Eintrittspreisen von 2 und 3 Rupien pro Person konnten wir uns in die Masse Inder einreihen und die Aussicht ueber die Berge geniessen:
Nach einem Eis ging es wieder zurueck auf die Strasse in Richtung Kotagiri auf der Suchen nach den Katharine Wasserfaellen. Das Abenteuer Motorrad fahren nahm nun indischere Gestalt an: heikle Ueberholmanoever, staendiges Hupen, ....es dauerte nicht lange bis ich einige Kratzer von meiner Mitfahrerin in der Seite hatte, die doch manchmal Angst bekam - z.B. wenn auf einmal zwei sich ueberholende LKWs auf uns zukamen, wo man nur noch schnell auf den Seitenstreifen an der Klippe ausweichen konnte. Natuerlich mussten wir mehrfach umdrehen, da die Auskuenfte der Heimischen nicht immer so genau und korrekt waren. Wir landeten aber dann doch dort, wo wir hin wollten und fuhren durch malerische Gegenden und Doerfer. Wir spazierten noch eine halbe Stunde durch Teeplantagen und kamen am "Wasserfall" an, an dem sich die Inder so richtig austobten:
Dann ging unsere Reise bergab auf 300m; von dort dann wieder auf den nachsten Kamm hinauf auf 2300m - nach Coonoor und dann zurueck nach Ooty. Wir hatten also knapp 200km insgesamt zurueckgelegt und insgesamt 5000 Hoehenmeter ueberwunden. Natuerlich hab ich mich auch wieder verbrannt, wie soll es auch anders sein - diesmal allerdings nur am Haaransatz und auf der Kopfhaut. Durch den ganzen Dreck, die Sonnencreme, den Schweiss, die Insekten, ... sahen wir natuerlich wieder sehr gut am Ende des Trips aus:

Abschliessend fuhren wir wieder 8h Bus und kamen am Montag morgen 7 Uhr in Bangalore an - ohne ein Auge zugetan zu haben, da die Strassen wieder nicht besser waren. Im Grossen und Ganzen als ein genialer Trip mit vielen Erlebnissen und einer Menge Spass!